Rückblick: Im Badener Wald in Guisans Fussstapfen (13. Februar 2020)

Die Offiziersgesellschaft Baden besichtigte das alte Festungswerk Flueholz – auf den Tag 80 Jahre, nachdem General Guisan hier war.

Die Badener Offiziersgesellschaft im Wald oberhalb des Kappelerhofs.

1860, also vor 160 Jahren, sah die Stadt Baden noch ziemlich anders aus als heute. Strom gab es keinen, das Haselfeld war wirklich noch ein Feld und abgesehen von Fuhrwerken war die Innenstadt völlig verkehrsfrei. Es gibt aber auch Dinge, die sind heute noch gleich wie damals: Der Stadtturm steht, die Holzbrücke bietet einen Übergang über die Limmat und die Offiziersgesellschaft Baden lebt.

Wer genau die Männer waren, die damals die Offiziersgesellschaft des Bezirks Baden gründeten, ist nicht bekannt. Aufzeichnungen über den Verein vor 1960 gibt es keine mehr. Fest steht jedoch, dass die Offiziersgesellschaft all die Jahre überdauert hat. Und das obwohl Baden, im Gegensatz zu Aarau, Brugg oder Bremgarten, keine Rekrutenschule beheimatet und damit auch keine so grosse militärische Tradition hat.

Baden Teil der Verteidigungslinie

Ganz an der Stadt Baden ging die Militärgeschichte aber nicht vorbei. Bevor sich im Zweiten Weltkrieg die Schweizer Armee ins Reduit zurückzog, bezog sie zwischen Sargans und dem Gempenplateau im nordwestlichen Teil Solothurns die Limmatstellung. In Baden, insbesondere in der Allmend und in Münzlishausen, in Dättwil, aber auch in Nachbargemeinden wie Gebenstorf oder Birmenstorf sind die Zeugnisse der Verteidigungslinie noch gut sichtbar. Eines der grössten Werke im Aargau steht noch immer oberhalb des Kappelerhofs. Die Anlage Flueholz ist vom Kindergarten Allmend gut erreichbar.

Am 13. Februar 1940 hat General Guisan die Bauarbeiten an dem Werk besucht und inspiziert. Die Offiziersgesellschaft Baden hat darum den 13. Februar 2020, also auf den Tag 80 Jahre nach dem Besuch des Generals, für eine kleine Feier zum 160-jährigen Bestehen des Vereins ausgewählt. Und wie vor 80 Jahren ist mit dem Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, wieder der höchste Offizier der Schweizer Armee nach Baden gekommen. Historiker und Stadtarchivar Andreas Steigmeier, der 1997 mit anderen ein Buch über die Limmatstellung veröffentlichte, informierte die rund 50 Offiziere vor Ort im nass-kalten Wald über die Verteidigungsstellung und das Festungswerk Flueholz.

Das etwa 400m lange unterirdisch angelegte Werk, das exklusiv für den Besuch geöffnet wurde, ist auch nach 80 Jahren in noch erstaunlich gutem Zustand. Ob es die taktische Aufgabe als Infanteriewerk, Artilleriebeobachtungsstelle und Bataillonsgefechtsstand hätte erfüllen können, stellte Steigmeier aber infrage. Es entsprach schon 1940 nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Verteidigungsanlage.

Nach der Besichtigung des Werks schlug der Chef der Armee im Wald bei Feuerschein den Bogen zu den Gefahren, mit welchen sich die Schweiz heute konfrontiert sieht. So sei die Bedrohung zwar diffuser, aber nicht weniger real geworden. Er ermahnte die anwesenden Offiziere, sich der ihnen unterstellten Menschen anzunehmen und sie ernst zu nehmen.

Maj i Gst Caspar Zimmermann